Seborrhoisches Ekzem

Seborrhoisches Ekzem (seborrhoische Dermatitis): Schubweise verlaufende schuppende Hautentzündung, bevorzugt an Hautarealen mit hohem Anteil an Talgdrüsen. Bis zu 5 % der Bevölkerung leiden an der Hauterkrankung; besonders häufig trifft es Säuglinge, Männer ab dem 40. Lebensjahr und Frauen während oder nach den Wechseljahren. Ein erhöhtes Risiko tragen auch Parkinson-Patienten und HIV-Infizierte. Das seborrhoische Ekzem lässt sich gut behandeln, neigt jedoch bei Erwachsenen zu Rückfällen.

Leitbeschwerden

  • Scharf begrenzte, rötliche Entzündungsflächen mit gelblicher, fettiger Schuppung, überwiegend an behaarter Kopfhaut, Haaransatz, Stirn, Nasenlippenfurche, Genitalbereich, Rücken und über dem Brustbein
  • Fast immer Kopfschuppung
  • Selten Juckreiz.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn obige Leitbeschwerden auftreten bzw. diese sich trotz Behandlung nicht bessern.

Die Erkrankung

Als Ursache für das seborrhoische Ekzem vermutet man eine Überproduktion der Talgdrüsen (Seborrhoe), möglicherweise in Zusammenhang mit einem Überschuss an männlichem Sexualhormon, z. B. Testosteron, das die Talgproduktion stimuliert. Dieser Zusammenhang erklärt das häufige Auftreten des Ekzems v. a. bei Männern und bei Frauen während der Wechseljahre. Eine wichtige Rolle spielt vermutlich auch der – normalerweise harmlose – Hefepilz Pityrosporum ovale, der bei übermäßiger Vermehrung zu einer Entzündung der (mit den Talgdrüsen in Verbindung stehenden) Haarbälge führen kann. Eine erbliche Veranlagung zum seborrhoischen Ekzem ist bekannt und bei etwa 50 % der Bevölkerung nachweisbar. Stress, psychische und starke körperliche Belastungen verschlimmern die Erkrankung, Sonnenlicht bringt dagegen Besserung. Ob auch die Ernährung, insbesondere die Versorgung mit Zink und Vitaminen, einen Einfluss auf die Beschwerden hat, ist umstritten.

Die mildeste Form des seborrhoischen Ekzems ist die Pityriasis simplex, eine weißliche, feine Schuppung der Kopfhaut ohne Entzündungszeichen. Sie wird oftmals für normale Kopfschuppen gehalten.

Eine Sonderform ist das seborrhoische Säuglingsekzem (seborrhoische Säuglingsdermatitis), das innerhalb der ersten 3 Lebensmonate auftritt und meistens schon nach wenigen Wochen auch ohne Behandlung folgenlos abheilt. Charakteristisch sind gelbliche, fettige, fest haftende Schuppenkrusten, v. a. am behaarten Kopf (Milchschorf oder Gneis genannt), außerdem an den Augenbrauen, hinter den Ohren und am Hals. Milchschorf kann jedoch auch Anzeichen einer Neurodermitis sein. Selten breitet sich bei Säuglingen im 2. Lebensmonat das Ekzem auf den ganzen Körper aus und führt dann zu einem schweren Krankheitsbild mit Fieber, Erbrechen und Durchfall.

In der Regel ist das seborrhoische Ekzem eine zwar kosmetisch störende und häufig wiederkehrende, aber harmlose Hauterkrankung. Gelegentlich infizieren Bakterien die betroffenen Hautareale und verursachen verstärkte Entzündungsreaktionen. Bei starkem und wiederholtem Befall der Kopfhaut kann es manchmal zu Haarausfall kommen.

Das macht der Arzt

Meistens diagnostiziert der Hautarzt ein seborrhoisches Ekzem anhand der typischen Hautveränderungen und einer Befragung des Patienten. Abzugrenzen sind andere Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis, die ähnlich aussehen können. Eine mikroskopische Untersuchung der Schuppen bringt Klarheit.

Beim seborrhoischen Säuglingsekzem erfolgt die Kopfwäsche mit einem milden Babyshampoo, das Ablösen der Schuppen mit Salicylsäure in Ölivenöl.

Zur Behandlung der Kopfhaut bei Erwachsenen werden Shampoos mit einem pilztabtötendem Wirkstoff, einem Antimykotikum (z. B. Ketoconazol in Terzolin®) verwendet. Ausgeprägte Schuppen müssen vor der Kopfwäsche mit einem Keratolytikum (z. B. Salicylsäure in Squamasol®Gel) abgelöst werden. Bei stark entzündeter Kopfhaut verordnet der Arzt ein Kortisonpräparat (z. B. Mometason in Ecural®-Lösung), das für 2–3 Wochen auf den behaarten Kopf aufgetragen wird.

Für das Gesicht und andere Körperstellen eignen sich ebenfalls Antimykotika in Form von Cremes oder Lotionen (z. B. Ketoconazol in Nizoral® Creme), bei ausgeprägten Entzündungen außerhalb des Gesichtsbereichs vorübergehend auch Kortisonsalben oder cremes (z. B. Hydrocortison in Alfason®). Eine starke Schuppenbildung macht den Einsatz von Präparaten erforderlich, die Keratolytika wie Salicylsäure oder Harnstoff enthalten.

Selbstbehandlung

Bei starken Kopfschuppen kann in Absprache mit dem Arzt in regelmäßigen Abständen eine Kur mit Schuppenshampoo (z. B. Terzolin®) durchgeführt werden. Zwischenzeitlich sind milde Haarshampoos (z. B. Physiogel® oder ein Babyshampoo) empfehlenswert. Mitunter hilft auch Apfelessig: Zu gleichen Teilen mit Wasser verdünnt, wird er auf die betroffenen Stellen aufgetragen.

Vorsorge

Auch nachdem das akute Stadium eines seborrhoischen Ekzems abgeklungen ist, braucht die betroffene Haut intensive Pflege, um Rückfälle zu vermeiden oder zumindest zu verzögern. Geignet sind fettarme Basispräparate (Cremes), eventuell mit Zusatz von Salicylsäure oder Harnstoff. Da Stress und Anspannung einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben, empfiehlt sich als vorbeugende Maßnahme auch das Erlernen von Entspannungsmethoden, z. B. Autogenem Training oder Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson.

Komplementärmedizin

Da das seborrhoische Ekzem u. a. auf eine Überproduktion der Talgdrüsen zurückzuführen ist, kombiniert die Komplementärmedizin in erster Linie Verfahren zur Reduktion der Talgbildung und Methoden zur Stabilisierung des Immunsystems mit Entspannungsverfahren.

Hydrotherapie. Eine verminderte Produktion der Talg- und Schweißdrüsen lässt sich durch Abreibungen mit verdünnten, alkoholischen Lösungen erreichen, alternativ auch durch Umschläge mit warmem Eichenrindensud. Bäder mit Fichtennadelextrakt (nicht länger als eine Viertelstunde) sind ebenfalls empfehlenswert. Nach dem Bad sollte auf eine Rückfettung der Haut durch Öle oder Lotionen allerdings verzichtet werden.

Lichttherapie. Da Sonnenstrahlung offensichtlich positive Auswirkungen auf seborrhoische Ekzeme hat, bieten sich neben einer Bestrahlung mit Höhensonne ausgedehnte Spaziergänge an (Luft- und Sonnenbad). Die klimatischen Bedingungen am Meer und im Gebirge haben einen besonders günstigen Einfluss. Hartnäckige Ekzeme reagieren oft auch gut auf eine Behandlung mit UVB-Strahlen.

Pflanzenheilkunde. Im Vordergrund stehen zum einen milde, die Haut zusammenziehende Pflanzenextrakte wie Eichenrinde, die auch als Fertigpräparate (z. B. Tannosynt® flüssig) zur Verfügung stehen. Zum anderen hat die Behandlung zum Ziel, die Schweißsekretion zu hemmen; dazu eignet sich z. B. Salbei, der sowohl innerlich als Tee genossen als auch äußerlich in Form von Kompressen verwendet werden kann.

Homöopathie. Gute Ergebnisse erzielen homöopathische Behandlungen mit Viola tricolor, insbesondere bei trockenem Milchschorf von Kindern. Graphites wird bei feuchtem Milchschorf mit gelblicher Sekretabsonderung empfohlen. Weiterhin verwendet werden Thuja occidentalis, Mercurius solubilis sowie Calcium carbonicum.

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