Diagnoseklassifikationen

Um die Verbreitung und die Sterblichkeit bei bestimmten Erkrankungen besser vergleichen zu können, gibt es bereits seit über hundert Jahren international einheitliche Klassifikationsversuche von Krankheiten. Heute verwaltet die WHO die ICD-Liste (International Classification of Diseases and Related Health Problems). In vielen Ländern verwenden Ärzte und Krankenhäuser die ICD-10 auch zur Abrechnung ihrer Leistungen und für Bescheinigungen – in Deutschland seit 2000.

Die Heranziehung der ICD zu Abrechnungszwecken war heftig umstritten: Zum einen befürchteten Ärzte eine stärkere Überwachung ihrer Behandlungen und Abrechnungen („gläserner Arzt“), zum anderen hatten Patienten Angst vor einer Aushöhlung der ärztlichen Schweigepflicht („gläserner Patient“). Diese Befürchtungen haben sich aber nicht bewahrheitet.

DSM-IV

Für psychische Störungen existiert ein spezielles, in vielen Ländern gebräuchliches Klassifikationsschema, das so genannte DSM-IV. Es ging aus dem „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ der American Psychiatric Association hervor, seit 1996 gibt es eine deutsche Ausgabe.

ICPM

Die ICPM (International Classification of Procedures in Medicine) ergänzt die ICD, indem sie ärztliche Eingriffe in Diagnostik und Therapie klassifiziert. Sie ist heute unverzichtbar für die Leistungsdokumentationen im Krankenhaus und für Forschungsvorhaben.

Im ambulanten Bereich übernehmen die Gebührenordnungen für Ärzte teilweise diese Funktion.

TNM-Tumorklassifikation

Auch für die Ausbreitung und die verschiedenen Stadien von bösartigen Tumoren gibt es ein international weit verbreitetes Klassifikationsschema. Das TNM-System (TNM-Klassifikation) wurde von der Internationalen Vereinigung gegen Krebs (Union Internationale Contre le Cancer, UICC) erstmals 1953 veröffentlicht.

Im TNM-System kennzeichnet eine Kombination aus Buchstaben und Ziffern, wie groß der Primärtumor ist (T = Tumor), ob Lymphknotenmetastasen vorhanden sind oder nicht (N = Nodus) und ob Fernmetastasen (M = Metastasen) vorliegen. Manchmal kommen weitere Kennbuchstaben hinzu; den Patienten interessieren dabei vor allem der Grad der Veränderung des Tumorgewebes im Vergleich zum normalen Gewebe (G = Grading) und die Angabe, ob nach einer Operation noch Reste des Tumorgewebes im Körper vorhanden sind (R = Residualtumor). Die Einteilung in Ziffern (z. B. T0–T4 bei der Tumorgröße) ist so gewählt, dass Rückschlüsse auf die Prognose und die Behandlung möglich sind.

T

Primärtumor

T0

keine Anzeichen für einen Primärtumor

Tis

Tumor in situ (Frühform von Krebs)

T1–T4

zunehmende lokale Ausdehnung des Tumors

N

regionärer Lymphknotenbefall

N0

keine Anzeichen für Lymphknotenbefall

N1–N3

zunehmender Lymphknotenbefall

M

Fernmetastasen

M0

keine Anzeichen für Fernmetastasen

M1

Fernmetastasen vorhanden, feinere Unterscheidung mit Buchstabenkürzeln möglich (z. B. PUL = Lunge oder OSS = Knochen)

Der Zusatz „X“ wird für einen noch nicht diagnostizierbaren Tumor verwendet, z. B. steht T1 NX MX für einen bekannten (kleinen) Primärtumor, eine Aussage über Lymphknotenbefall und Fernmetastasen ist jedoch nicht möglich. Weitere Buchstaben gibt es für R = Residualtumor (Resttumor nach Therapie) und G = Grad der Bösartigkeit. Das TNM-System eignet sich nicht zur Erfassung von Leukämien.

Mithilfe des TNM-Systems erfährt z. B. der Hausarzt oder der behandelnde Facharzt aus dem Untersuchungsbericht, wie schwer die Krebserkrankung seines Patienten ist und passt die Behandlung dem Krebsstadium an. Das System dient auch zu Forschungszwecken und statistischen Erfassungen, z. B. um den Erfolg bestimmter Behandlungsmethoden abhängig vom Krebsstadium zu beurteilen.

Auch die 5-Jahres-Überlebensrate wird häufig in Abhängigkeit vom TNM-System angegeben, z. B. hat ein nicht kleinzelliger Lungenkrebs der Klasse T1 N0 M0 eine 5-Jahres-Überlebensrate von ~ 65 %, bei einem Tumor mit der Klassifizierung T3 N1 M0 beträgt sie dagegen nur noch ~ 15 %.

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