Androgeninsuffizienz und PADAM

Androgeninsuffizienz (Testosteronmangel, Hodeninsuffizienz): Rückgang der Wirkung männlicher Sexualhormone, insbesondere des Testosterons. Der Mangel an Testosteron und seinen Abkömmlingen Androstendion und DHEA, die zusammen die Androgene bilden, kann unterschiedliche Ursachen haben: ein altersbedingtes Nachlassen der Testosteronproduktion der Hoden (PADAM), einen Mangel an Steuerhormonen, die die Testosteronausschüttung ankurbeln, z. B. durch Tumoren der Hypophyse Hirnanhangdrüse, oder eine angeborene Störung mit fehlenden Androgenrezeptoren, wodurch die Zellen der Zielorgane das Testosteron nicht erkennen.

Letztere führt dazu, dass das männliche Geschlecht nicht oder nicht 100%-ig ausgebildet wird und die Jungen dann durch fehlende Hoden (Anorchie) oder einen Hodenhochstand auffallen oder im Extremfall sogar als Mädchen zur Welt kommen, obwohl sie erblich ein Junge sind (der Kinderarzt spricht von Testikulärer Feminisierung). Auch Frauen erhalten gelegentlich die Diagnose einer (weiblichen) Androgeninsuffizienz, z. B. im Rahmen einer Anti-Aging- oder Wechseljahres-Diagnostik.

Entgegen früherer Ansicht sind die Auswirkungen eines Testosteronmangels eher unklar, jedenfalls ist die früher verbreitete Hypothese widerlegt, dass ein niedriger Testosteronspiegel zu verminderter Libido führt. [M02]

Leitbeschwerden beim älteren Mann

  • Sexuelle Funktionsstörungen – insbesondere Impotenz
  • Unfruchtbarkeit
  • Rückbildung der Muskulatur
  • Anstieg des Körperfettanteils, vor allem in der Bauchregion
  • Psychische Beschwerden wie Müdigkeit, Unwohlsein oder depressive Verstimmungen
  • Haut- und Haarveränderungen
  • Im Extremfall scheinbar spontane Knochenbrüche durch Osteoporose.

Die Erkrankung

Populär geworden ist die Androgeninsuffizienz durch die Anti-Aging-Medizin. Millionen von Männern leiden an Müdigkeit, Unwohlsein, Impotenz und all den anderen Leitbeschwerden. Viele Ärzte greifen das Thema als IGeL-Leistung auf und führen umfangreiche Hormontests durch. Meist wird nur ein teilweiser Mangel an Testosteron festgestellt, weshalb Anti-Aging-Mediziner dann auch vom PADAM, dem partiellen Androgendefizit des alternden Mannes (Testosteronmangel-Syndrom) sprechen. Über dessen Häufigkeit wird gestritten, bis zu 10 Millionen deutsche Männer sollen nach Ansicht von Anti-Aging-Experten betroffen sein. [M03]

Begriffe wie männliche Wechseljahre, Klimakterium virile, ADAM (Androgen Decline in the Aging Male), Testopause oder Andropause wurden von manchen Autoren eingeführt, um den hormonellen Veränderungen des alternden Mannes analog zu den Wechseljahren der Frau Rechnung zu tragen. Die Hormone Testosteron, DHEA (Vorstufe des Testosterons) und das Wachstumshormon Somatotropin sinken zwar zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr ab, jedoch nicht sprunghaft wie bei der Frau. Es findet also kein „Wechsel“ in der hormonellen Gesamtsituation statt wie bei der Frau – deshalb ist der Begriff der männlichen Wechseljahre medizinisch nicht haltbar.

Ein Testosteronmangel kommt aber auch bei vielen Erkrankungen vor, die mit den „männlichen Wechseljahren“ nichts zu tun haben, so bei Fettstoffwechselstörungen, bei schweren Leber-, Nieren-, Herz- und Kreislauferkrankungen. Er kann aber auch psychisch bedingt bei chronischer Stressbelastung und Alkoholmissbrauch auftreten.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Die Diagnostik umfasst die Messung des Gesamttestosterons, des Sexualhormon bindenden Globulins SHBG und der Steuerhormone FSH und LH in zwei jeweils voneinander unabhängig am Morgen gewonnenen Blutproben.

Aus SHBG und Gesamttestosteron wird die Menge an freiem Testosteron berechnet. Das SHBG steigt mit zunehmendem Alter an, und in der Folge fällt der Anteil des freien, hormonell aktiven Testosterons ab.

Sinnvoll ist auch ein Stimulationstest mit Beta-HCG, der die Testosteronausschüttung um 50–150 % steigern sollte.

Die bequeme Testosteronbestimmung im Speichel empfehlen wir nicht – sie ist nicht zuverlässig. [M04].

Die Testosteron-Ersatztherapie

Prinzipien der Testosteron-Ersatztherapie. Selbst wenn die oben genannten Erkrankungen als Ursache einer Androgeninsuffizienz ausgeschlossen werden, kann ein Ausgleich des Testosteronmangels durch korrekt dosierte Testosterongaben nur eingeschränkt empfohlen werden. Die Testosteron-Ersatztherapie ist nur in den seltenen Fällen einer deutlichen Androgeninsuffizienz (vom Arzt z. B. bei der Klärung einer ungewollten Kinderlosigkeit entdeckt) unproblematisch – nicht aber beim PADAM, denn:

  • Alle Androgeninsuffizienz-Beschwerden kommen auch bei Männern mit normalen Testosteronspiegeln vor, z. B. bei falscher Ernährung, psychischer Belastung und zu wenig Bewegung. Kein Arzt kann also mit Sicherheit sagen, ob der Androgenmangel wirklich die Ursache der PADAM-Beschwerden ist.
  • Die Gabe von Androgenen birgt die Gefahr, das Wachstum eines Prostatakrebses zu beschleunigen, den eine große Zahl von Männern unerkannt in sich trägt. Deshalb rät die Mehrzahl der Ärzte bei altersentsprechend normalen oder nur geringfügig erniedrigten Testosteronwerten von der Testosterongabe ab.
  • Aber auch die erwünschten Effekte auf Stimmung und sexuelle Funktionsstörung stellen sich nicht sicher ein: Eine Depression etwa kann durch Testosteroneinnahmen auch verstärkt werden.
  • Es gibt keine gesicherten Daten über die Effekte einer langjährigen Testosteroneinnahme.

Anders sieht es bei Patienten mit deutlich erniedrigten Testosteronwerten aus, denn sie profitieren meist erheblich von der Testosteron-Ersatztherapie.

Verabreichungsformen des Testosterons. Wenn man sich trotz der genannten Risiken zu einer Test-Einnahme entschließt, so erfolgt die Gabe täglich über Testosteron-Hautgels oder in Form von intramuskulären Testosteron-Spritzen (konservativ alle 2–3 Wochen). Zwar haben die Hautgels geringere Nebenwirkungen, sind aber umständlich zu handhaben (tägliches Auftragen, anfangs Hautkontakt mit der Partnerin vermeiden), weshalb sie die Spritzen nicht abgelöst haben. Mittlerweile gibt es neue Medikamente (Nebido®), die nur alle drei Monate gespritzt werden müssen.

Die Einnahme sollte zunächst auf 3–6 Monate beschränkt bleiben. Nur wenn sich mindestens drei erwünschte Effekte und keine wesentlichen Nebenwirkungen, wie z. B. Blutbildveränderungen oder ein Anstieg der Leberwerte (Laborkontrollen!) eingestellt haben, ist die Fortsetzung der Therapie zu vertreten. Auch sollte der PSA-Wert als Indikator für das beschleunigte Wachstum eines Prostatakrebses regelmäßig überwacht werden, er darf um maximal 1 ng/ml pro Halbjahr ansteigen und den Grenzwert von 4 ng/ml nicht überschreiten, sonst sollte die Testosteron-Ersatztherapie abgebrochen werden. Auch die regelmäßige Prostata-Tastuntersuchung ist aus diesem Grund bei einer Testosteron-Ersatztherapie sehr wichtig. Über die maximal mögliche Therapiedauer einer Testosteron-Ersatztherapie herrscht keinerlei Einigkeit bei den Experten.

Selbsthilfe

Inwieweit Sie sich von den vermeintlichen oder tatsächlichen PADAM-bedingten Begleiterscheinungen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigen lassen, ist – vergleichbar mit den Wechseljahrbeschwerden der Frau – zweifellos auch eine Frage der inneren Einstellung. Die nicht unerheblichen Risiken einer Testosteron-Ersatztherapie legen nahe, erst einmal auf andere Weise zu versuchen, die unerwünschten Folgeerscheinungen eines nachgewiesenen Testosteronmangels in den Griff zu bekommen:

Zur Linderung depressiver Verstimmungen

Hilfe bei Impotenz

Zur Vorbeugung von bzw. Begleitmaßnahmen bei Osteoporose

Weiterführende Informationen

  • Die an anderer Stelle begründete Skepsis gegenüber urologischen Internetseiten besteht in besonderem Maße gegenüber urologischen Anti-Aging-Internet-Angeboten. Man sollte genau prüfen, was die von Google & Co. genannten Informationsquellen behaupten.
  • R.-D. Hesch; G. Bosch: Absolut Mann. Fit bleiben und gut aussehen – die besten Strategien. Droemer Knaur, 2003. Obwohl der Testosteron-Ersatztherapie das Wort geredet wird, ist das Buch ein sinnvoller ärztlicher Ratgeber des Urologen und Anti-Aging-Experten Hesch, der die Selbstverantwortung des Mannes betont.
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